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Autorenlesung am Beruflichen Schulzentrum

Am 21. März 2017 durften die Klassen KFR 10, MMB 11 und WEH 10b mit ihren Klassenlehrern eine interessante Autorenlesung besuchen. Der Referent war ein freischaffender Autor, der sich 2015 als freiwilliger Flüchtlingshelfer engagierte. Er zeigte den Schülern Eindrücke aus seiner damaligen Arbeit mit den Flüchtlingen.

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Grund für diese Arbeit von Vladimir Vertlib ist seine eigene sehr bewegte Kindheit und Jugend. Als 5-Jähriger flohen seine Eltern mit ihm aus Leningrad nach Israel.

Danach wurden auf ihrer zehnjährigen Odyssee weitere 16 verschiedene Staaten in Europa, USA und schließlich Österreich besucht, um eine neue Heimat zu finden. Durch die Erlebnisse in dieser Zeit wurde Herr Vertlib nach seinem Studium der Volkswirtschaft freiberuflicher Autor in Österreich.

Im ersten Teil der Lesung las er eine Passage aus seinem Buch „Let´s go Europe“ vor.

Hier wurden die Ereignisse in der Nachtschicht vom 2. November 2015 an der deutsch-österreichischen Grenze geschildert. Der Autor arbeitete an diesem Abend als freiwilliger Helfer in einem Transitcamp für Flüchtlinge. Sehr eindrücklich schilderte er die Aufnahme und anschließende Übergabe der Flüchtlinge an der Grenze zu Deutschland. Durch viele Bilder, die Herr Vertlib von seiner Arbeit gemacht hat, wurden die Sorgen und Ängste der Flüchtlinge, welche schon tagelang auf den „Auslass“ nach Deutschland warteten, sehr anschaulich.

Ebenso zeigte er die Sorgen der freiwilligen Helfer auf, denn nach dem Verlassen des Wartezeltes verschwanden die Menschen auf dem Weg zur Grenze in der Dunkelheit und lösten sich für die Helfer „in Nichts auf“.

Im anschließenden zweiten Teil der Lesung las Herr Vertlib aus seinem Buch „Am Morgen des zwölften Tages“ vor. In diesem Roman erzählt der Autor eine deutsch irakische Liebesgeschichte, die verbunden wird durch die Erlebnisse des Großvaters im zweiten Weltkrieg. Der ausgewählte Beitrag für den Vortrag spielt während eines Fluges nach 9/11 von Hamburg nach München und schildert die Gespräche der Passagiere um einen islamisch aussehenden Mann, der für längere Zeit die Toilette besetzte.

Sehr anschaulich schildert er die zunehmende Panik im Flugzeug, die durch die Vorurteile und Unterstellungen der Mitreisenden gegenüber dem „Fremden“ angefeuert wurde. Am spannendsten Punkt der Geschichte hörte Herr Vertlib auf und verwies auf sein Buch, welches er zusammen mit zwei weiteren Büchern dem Beruflichen Schulzentrum Neumarkt zum Weiterlesen überlassen hat.

Nach der Lesung gab es die Möglichkeit mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Eine Frage bezog sich darauf, wie er selbst zuerst seine Kindheit und später den Hilfsdienst psychisch verkraftet hat. Diese Frage beantwortete er mit einem Bild, in dem er zeigte, dass er mit seinen Eltern in einer „eigenen Welt“ und alles andere in einer „anderen Welt“ lebte. Dies habe er sich bis heute behalten und er kann zwischen den Welten hin- und herwandern. Durch den freiwilligen Hilfsdienst 2015 „kam vieles wieder hoch“, bis sich gesundheitliche Beschwerden einstellten und er deshalb den Hilfsdienst nicht mehr ausüben kann.

Weiterhin wurde Herr Vertlib von Schülerinnen auf Russisch gefragt, ob er in Russisch schreibe und ob seine Bücher auf Russisch erscheinen. Schreiben könne er nicht, da seine Sprachkompetenz nicht ausreiche, aber einige Bücher wurden auch ins Russische übersetzt.

Damit endete der Vortrag und die Lesereise mit Herrn Vladimir Vertlib wird den Schülern noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Es waren die kleinen Einblicke in die Welt des Autors als freiwilliger Flüchtlingshelfer, die die Zuhörer zum Nachdenken gebracht haben.

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